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Beste Berge: Timmelsjoch

Rund 11 Kilometer liegen noch vor dem Radler, der am Gasthof Schönau pausiert – blöderweise die härtesten Kilometer des Bergs.
Rund 11 Kilometer liegen noch vor dem Radler, der am Gasthof Schönau pausiert – blöderweise die härtesten Kilometer des Bergs.

Es gehört zu den Zielen vieler ambitionierter Radsportler, irgendwann im Leben beim Ötztaler Radmarathon mitzufahren. Wer sich im Vorfeld mal testweise aufs Timmelsjoch heraufwagt, kann ermessen, wie hart das Rennen sein muss.

 

Wenn der Ötztaler in Sölden startet, ist das Timmelsjoch der vierte und letzte Anstieg nach dem Kühtai, dem Brennerpass und dem Jaufenpass. Nach der Fahrt aufs Timmelsjoch ist der Respekt vor denjenigen, die diese Strecke meistern, noch einmal gewachsen, denn das Timmelsjoch gehört zu den schwersten Pässen der Alpen überhaupt, sicherlich in einer Kategorie mit dem Stilfser Joch zu nennen.

 

Start der Tour ist Anfang August 2018 in St. Leonhard, auf der italienischen Seite des Timmelsjoch, nah bei Meran. Die ersten Kilometer erscheinen leicht, doch schon nach rund fünf Kilometern, kurz vor Moos, werden die Steigungen größer.  Zwar ist der Verkehr am Vormittag deutlich ruhiger als wenige Tage vorher in Prad, auf dem Weg zum Stelvio, doch da am Tag zuvor in Moos ein Motorradfahrer bei einer Kollision mit einem LKW tödlich verunglückte, fährt die Angst an diesem Tag ein bisschen mit.

 

Nach Moos wird die Straße noch steiler, Steigungswerte jenseits der 10% und sogar darüber hinaus sind zwischen Kilometer sieben und elf zu bewältigen, bevor es dann bis Kilometer 15 wieder flacher wird – jedoch immer noch deutlich jenseits der Komfortzone. Erst ab Kilometer 15 wird es angenehmer, es folgt nämlich ein rund vier Kilometer langes Teilstück mit meist weniger als 5% Steigung – was das Timmelsjoch vom Stelvio unterscheidet, wo die Steigungswerte konstant hoch ausfallen. 

 

Empfehlenswert ist bei Kilometer 18 eine Pause am Gasthof Schönau, von wo aus ein imposanter Blick zum Gipfel des Timmelsjoch und seinen Kehren möglich ist. Es folgt das schwierigste Stück der Auffahrt, ab Kilometer 19 und der Timmelsbach-Brücke und bis Kilometer 27 warten einige Steilststücke und Serpentinen auf den körperlich schon geschwächten Radler. Hier gilt es, jeden Brunnen zum Wiederauffüllen der Wasservorräte zu nutzen und auch viel zu essen, damit kein Hungerast oder trockene Kehle drohen.

 

Schulterblick zurück ins Passeier Tal, mittig/links ist der Gasthof Schönau zu erkennen.
Schulterblick zurück ins Passeier Tal, mittig/links ist der Gasthof Schönau zu erkennen.

Der Schulterblick entschädigt immer wieder für die heftigen Strapazen der Auffahrt, man blickt zurück ins wunderschöne Passeiertal, das lieblicher aussieht als beispielsweise das Ötztal auf der anderen Seite des Bergs.

 

Zum Schluss signalisiert zwar der GPS-Tracker, dass die Passhöhe bereits erreicht ist, es folgen aber noch zwei Kilometer, die immerhin relativ flach ausfallen, dennoch tückisch sind, weil zwei kaum beleuchtete Tunnel folgen. Deshalb sollten Radler unbedingt zumindest ein Rücklicht anstecken, um Kollisionen im Tunnel zu verhindern – nicht nur die Radfahrer, auch Auto- und Motorradfahrer sind hier oben oft erschöpft und entsprechend unaufmerksam.

 

Oben angekommen, kann der Radler sich im Restaurant stärken – oder aber an einer Art Wunschbaum seine nächsten sportlichen (oder andere) Ziele formulieren.

Ein Künstler hat einen verdorrten Baum in einem Hort der Wünsche verwandelt – hier kann der Radler gerne seine nächsten Ziele deponieren.
Ein Künstler hat einen verdorrten Baum in einem Hort der Wünsche verwandelt – hier kann der Radler gerne seine nächsten Ziele deponieren.
Weniger lieblich ist die Ötztaler Seite des Timmelsjoch.
Weniger lieblich ist die Ötztaler Seite des Timmelsjoch.

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