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Eschborn-Frankfurt: Alexander Kristoffs vierter Sieg

Mit seinem vierten Sieg in Folge hat Alexander Kristoff seine Siegesserie beim Klassikerrennen Eschborn - Frankfurt fortgesetzt. Sein Sieg galt im Vorfeld als unwahrscheinlich, weil die Veranstalter den Kurs erheblich schwerer gestaltet hatten. 

 

Alexander Kristoff kurz nach der Zieleinfahrt, hinter ihm Michael Matthews.
Alexander Kristoff kurz nach der Zieleinfahrt, hinter ihm Michael Matthews.

 

Im Vorfeld hatte Kristoff die Erwartungen zwar niedrig gehalten: In den letzten Jahren habe ihn das Rennen schon an sein Limit gebracht. „Mit noch mehr Anstiegen wird es nun wirklich sehr schwer für mich.“ Am Ende setzte sich der 30-Jährige dann doch im Sprint gegen den Australier Michael Matthews (Sunweb) und den Belgier Oliver Naesen (ag2r) durch. Bester Deutscher wurde Emanuel Buchmann (Bora-hansgrohe) auf Platz 18.

 

Stolzer Sieger: Alexander Kristoff.
Stolzer Sieger: Alexander Kristoff.

Über große Strecken der 57. Auflage des Radklassikers herrschte für Zuschauer eher die große Langeweile. Eine Dreiviertelstunde nach dem Start, nach gut 20 Kilometern, setzte sich eine siebenköpfige Gruppe ab und fuhr einen Vorsprung von maximal 4:40 Minuten heraus. Das Septett bestand aus Daniel Teklehaimanot (Cofidis), Alexejs Saramotins (Bora-hansgrohe), David Tanner (Verandas Willems-Crelan), Floris Gerts (Roompot), Yukiya Arashiro (Bahrain-Merida), Antoine Warnier (WB Aqua Protect) und Aaron Gate (Aqua Blue Sport). Später stießen noch Michael Gogl (Trek-Segafredo), Gregor Mühlberger (Bora-hansgrohe) und Björn Lambrecht (Lotto Soudal) dazu.

 

Das Peloton ließ es derweil auffällig gemächlich angehen, was sogar dem sportlichen Leiter von Bora Hansgrohe, Jens Zemke, „Schweißperlen auf die Stirn“ schießen ließ, wie er im Interview mit dem Hessischen Rundfunk einräumte: „Wenn das so weiter geht, verpassen wir heute Abend ein paar Flüge zum Giro“, so Zemke.

 

Am Mammolshainer Stich folgte schließlich eine Tempoverschärfung, die das Rennen schließlich dann doch noch animierte. Die größten Tempomacher am Hügel mit bis zu 23 Prozent Steigung waren Buchmann und Simon Geschke (Sunweb). In der Folge verloren besonders Sprinter wie Marcel Kittel und Rick Zabel (Katusha Alpecin) immer wieder den Anschluss ans Peloton – Kittel stieg bald darauf sogar aus dem Rennen aus.

 

Lächelnd, aber enttäuscht: Rick Zabel.
Lächelnd, aber enttäuscht: Rick Zabel.

 

Zabel hatte schon im Vorfeld des Rennens die Erwartungen gedämpft, weil es die Sprinter schwer haben würden an diesem Tag. Hintergrund: Die Veranstalter haben den Kurs mit einem stärker betonten Klassikercharakter schwerer gemacht. So musste der kernige Anstieg in Ruppertshain dreimal, der Mammolshainer Stich sogar viermal und die Billtalhöhe zweimal bezwungen werden. „Ich frage mich, warum man ein Rennen in Deutschland so schwer macht, obwohl man nicht die Fahrer dafür hat?“, erklärte Zabel im Anschluss an das Rennen im Interview, das der Cyclin Blog für Rennrad-news gemacht hat. 

 

Rund 70 Kilometer vor dem Ziel arbeitete sich das Hauptfeld bis auf 20 Sekunden an die Ausreißer heran. Organisiert wurde die Nachführarbeit besonders durch Simon Geschke aus der Mannschaft Sunweb. Das Ziel: seinen  Kapitän Michael Matthews in Position zu bringen.

War über lange Zeit in der Spitzengruppe: Emanuel Buchmann.
War über lange Zeit in der Spitzengruppe: Emanuel Buchmann.

Kurz darauf formierten sich an der Spitze des Rennens eine neue Gruppe: acht Mann um Buchmann und Simon Špilak (Katusha-Alpecin), die erst drei Kilometer vor dem Ziel gestellt wurden. Da die Mannschaften vorne nur noch mit dünner Besetzung vertreten waren, wurden keine Sprintzüge mehr formiert. Mit Fernando Gaviria war es Quick Step, der vor der letzen Kurve noch besonders gute Karten hatte, der Kolumbianer bog aber in die falsche Richtung ab und war dann chancenlos. 

 

Am Ende setzte sich dann erneut Alexander Kristoff im Sprint durch. Mit  seiner Serie von vier Siegen überholt der Norweger Erik Zabel, der drei Mal den Radklassiker für sich entscheiden konnte.

 

Der guten Stimmung am Streckenrand tat das über große Strecken langweilige Rennen aber keinen Abbruch. Schon am Vormittag säumten tausende Zuschauer beim Rennen von rund 5100 Jedermännern die Straßen und feuerten die Fahrer an. Bernd Moss-Achenbach, vor dem Engagement des Tour de France-Veranstalters ASO in Eschborn-Frankfurt 17 Jahre verantwortlich für das Rennen und heute Präsident, erklärte gegenüber dem Hessischen Rundfunk: „Ich weiß nicht, ob wir jemals so eine gute Stimmung hier hatten.“

 

Sieger des U23-Rennens über 143 Kilometer wurde der Däne Niklas Larsen (Virtu Cycling). Der 20 Jahre junge Däne siegte im Sprint vor dem Deutschen Jonas Rutsch (Lotto-Kern Haus) und dem Niederländer Marten Kooistra (SEG Racing Academy) – der größte Erfolg seiner noch jungen Karriere.

 

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