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Brilliante Bühne für die „Könige des Schmerzes“

Es gibt viele Bücher über historische Figuren des Radsports. Viele reihen schlechte Reproduktionen alter Schwarz-weiß-Fotos aneinander und garnieren diese mit antiquierten Texten über eine längst vergangene Zeit. „Kings of Pain“ ist anders. Das opulent ausgestattete Buch ist nicht nur das Fundament, auf dem Simon Mottram seine Radsport-Bekleidungsfirma Rapha erbaute. Dem 160 Seiten starken Buch gelingt es wie keinem anderen, mit einer einzigartigen Kombination aus Texten und Fotos der vergangenen Zeit der „Könige des Schmerzes“ neues Leben einzuhauchen.

 

 

Ein Blick zurück ins Jahr 2004: Mit einer einmonatigen Ausstellung in London über die „Kings of Pain“ startete Mottram sein Unternehmen. Im Fokus der Ausstellung: die legendären Könige der Landstraße, Eddy Merckx, Jacques Anquetil, Tony Simpson, Fausto Coppi, Raymond Poulidor und Bernard Hinault. Ihre Lebensweise, ihr Stil fasziniert seinerzeit Mottram, der sich anhand der alten Fotos der Rennfahrer auch für seine Radsport-Bekleidung inspirieren lässt. Die stets farblich reduzierten, schlichten Trikots und Jacken von Rapha zeigen bis heute in den meisten Fällen Anleihen der Kleidungsstücke, die Coppi & Co. vor vielen Jahrzehnten trugen. 

 

Das Buch „Kings of Pain“, zehn Jahre nach der Ausstellung von Rapha auf den Markt gebracht, umfasst einige der Bilder, die damals in der Rapha-Ausstellung zu sehen waren. Mottram hatte sie in einem französischen Buch gesehen, „Le Tour de France Intime“ („Die intime Tour de France“) von Philippe Brunel. Das 2014 bei Rapha erschienene Buch ist die Übersetzung ins Englische, im Rahmen eines opulent ausgestatteten Hardcover-Bandes, der den Fahrern zwischen dicker, edler schwarzer Pappe eine elegante Bühne in Buchgestalt bietet.

 

„Le Tour de France Intime“ ist eigentlich der bessere, da treffende Titel zum Buch, denn genau darum geht es: Die Schwarz-Weiß-Fotos der 25 Kapitel zeigen größtenteils keine Rennszenen, zeigen nicht primär die Helden der Landstraße, sondern Situationen, die den jeweiligen Fahrer nahbar, beinahe verletzlich zeigen: Gino Bartali gedankenversunken beim Beten in einer Kapelle, Fausto Coppi in einem Hotelzimmer mit den Füßen zur Kühlung in einem Bidet, Hugo Koblet in der Badewanne (Badewannen-Bilder – gerne auch zu zweit – gibt es so einige im Buch), Jacques Anquetil tiefenentspannt beim Frisör, Eddy Merckx nach einem Rippenstoß durch einen Zuschauer auf einer Bank liegend oder Bernard Thévenet nach einem schweren Sturz auf der Liege im Krankenhaus.  

 

Das Buch würde vermutlich auch als reiner Bildband funktionieren, denn die Bilderauswahl alleine ist brillant. Umso überraschender ist, dass die Texte an die Qualität der Bilder heranreichen und diese optimal ergänzen. In ihnen werden die Privatleben der Fahrer beschrieben, daneben aber auch die Fahrweisen und Strategien, mit denen die Radrennfahrer ihre Erfolge einheimsten. Erst die Kombination aus dem allzu Privaten und dem öffentlichen Leben auf dem Rennrad zeigt das komplette Bild der Ausnahmefahrer. Und das wird von keinem Buch besser gezeichnet als „Kings of Pain“.

 

Philippe Brunel: Kings of Pain. Masters and Convicts of the Road. Rapha Racing Ltd. 50 Euro. Hier zu bestellen.

 

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