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Der Tag, an dem der Pirat starb

In diesem Monat erinnern wir an bestimmten Stichtagen an bemerkenswerte Ereignisse der Radsportgeschichte und auch vergessene Fahrer. Heute (14. Februar 2018) vor 14 Jahren starb Marco Pantani.

Marco Pantani 1997 (Foto: Aldo Bolzan, Wikimedia, CC BY-SA 3.0)
Marco Pantani 1997 (Foto: Aldo Bolzan, Wikimedia, CC BY-SA 3.0)

14. Februar: Der Todestag von Marco Pantani (2004)

 

„Mehr Künstler als Athlet“ – mit dieser Beschreibung von Marco Pantani war Lance Armstrong der Wahrheit einmal so nah wie vielleicht selten. Pantani war ein begnadeter Kletterer, der für eine viel zu kurze Periode die Berge des Radsports unter seine Räder nahm, als hätte er Flügel.
Dieses große und leider tragische Talent starb am Valentinstag 2004 in einem kleinen Hotel im winterlichen Rimini. Die ärztliche Untersuchung gab eine akute Kokain-Vergiftung als Todesursache an. Die Familie hat dies angefochten und 2014 die Neuaufnahme der Untersuchung erreicht. Zum Zeitpunkt dieser Recherche dauert sie noch an.

 

Was auch immer noch ans Licht kommen wird, Pantanis Geschichte wird eine von großem Erfolg und tiefem Fall bleiben. Armstrongs Beschreibung passte wirklich. Wer Pantani beim Erklettern eines mörderisch langen Alpenanstiegs zusah, sah einen Künstler bei der Arbeit. Das Rad war sein Meißel, die Beine der Schlegel – mit ihnen formte Pantani legendäre sportliche Kunstwerke in die Flanken der Gebirgsriesen bei der Tour und beim Giro. Das waren die Rennen, bei denen ihm Flügel wuchsen. Er konnte mit den Eintagesklassikern nicht viel anfangen. Auch die Weltmeisterschaften waren nichts für ihn, genauso wenig kurze Etappenrennen. Pantani war ein reines Klettergenie, und er brauchte die wirklich hohen Berge, um sein Talent wirklich gut umzusetzen. Kurze, gemeine
Anstiege taugten dafür nicht, aber Kilometer um Kilometer pausenlosen Anstiegs waren seine idealen Rampen, um sich zu erheben und den anderen Fahrern uneinholbar davonzutanzen.

 

 

Legendär: Pantanis „Tanz“ hoch nach Alpe d'Huez 1997 (Foto: Hein Ciere, Wikimedia, CC BY 3.0)
Legendär: Pantanis „Tanz“ hoch nach Alpe d'Huez 1997 (Foto: Hein Ciere, Wikimedia, CC BY 3.0)

Und dennoch sind seine Palmarès für ein solches Talent bedrückend kurz: ein Gesamtsieg beim Giro, ein Gesamtsieg bei der Tour; beides 1998. Das war’s. Finito. Er zog häufig das Pech an und verlor manche Saison aufgrund übler Crashs. Später kam dann der Dopingverdacht. Zwei Tage vor Mailand und mit dem Rosa Trikot am Leib wurde er 1999 aus dem Giro geworfen, weil er bei einer Dopingprobe mit mehr als 50 % Hämatokrit getestet wurde (ein erhöhter Hämatokritspiegel gilt als Hinweis auf EPO-Doping; 50 % war der gültige Grenzwert).

 

In einer Zeit, in der der Radsport immer mehr von bestimmt wurde, fuhr Pantani mit Gefühl. Er trug keine Pulsuhr und hatte keine Leistungsmessung am Rad. Wenn er sich gut fühlte und seiner Meinung nach der richtige Moment gekommen war, stiefelte er einfach los. Seine Siege waren immer purer Kampfgeist. Ob es die Etappen in den Dolomiten beim 1994er-Giro, der Tanz hinauf nach L’Alpe d’Huez 1997 oder der Anstieg zum Plan di Montecampione bei Giro 1998 war: Pantani, „der Pirat“, lieferte immer ein echtes Epos ab. Diesem Künstler zuzusehen war ein Genuss.

 

Aus: Giles Belbin: Ein Jahr im Sattel. 365 Geschichten aus der Welt des Radsports. 337 Seiten, Verlag Freies Geistesleben, 25 Euro, ISBN 978-3-7725-2821-7

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