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Stichtag: Geburtstag des Tour de France-Gründers

Heute vor 153 Jahren wurde Henri Desgrange geboren: der Mann, der dringend die Auflage der Sportzeitung „L’Auto“ steigern wollte – und zu dem Zweck das größte Radrennen der Welt erfand. Ein Auszug aus dem Buch „Ein Jahr im Sattel. 365 Geschichten aus der Welt des Radsports“ (Verlag Freies Geistesleben).

Henri Desgrange (geboren: 31. Januar 1865)

 

Es macht Spaß, einmal zu spekulieren, wie der Radsport heute wohl aussehen würde, wenn Henri Desgrange sich nicht eingemischt hätte.

Desgrange wurde 1865 in Paris geboren. Er war ein erfolgreicher Radrennfahrer, der eine ganze Anzahl von Rekorden aufstellte – darunter den ersten offiziellen Stundenrekord im Jahr 1893. Im folgenden Jahr publizierte er ein Trainingsbuch mit dem Titel La Tete et les Jambes («Der Kopf und die Beine») in Form eines Briefwechsels zwischen einem jungen Radfahrer und einem Trainer. Später arbeitete er in der Werbeabteilung eines Automobilherstellers, aber dann spülte ihn das Schicksal an die Spitze der Sportzeitung L’Auto. Und dort brauchte er dringend mehr Auflage.

Was folgte, sollte den Radsport für immer verändern. Desgrange fragte seine Mitarbeiter nach guten Ideen. Ein Journalist mit Namen Géo Lefèvre schlug ein langes Radrennen rund ums ganze Land vor. Die Tour de France war erfunden!

Desgrange war ein vorsichtiger Fuchs. Die Sache war ihm anfangs nicht ganz geheuer; er blieb dem Start des Rennens fern und tauchte erst auf, als es sich zu einem Erfolg zu entwickeln versprach. Außerdem liebte er das Pathos – und genauso die dazugehörigen Leiden der Fahrer. Solange er die Tour unter sich hatte, blieb die Gangschaltung von ihr verbannt. Seine ideale Tour, ließ er gern verlauten, sei die, bei der nur ein einziger Fahrer ins Ziel käme ... Wenn er etwas Sehenswertes beobachtet hatte, ließ er seine Leser darüber in keinster Weise im Unklaren. Als die Tour erstmals in die Alpen rollte, schrieb er dazu: «Tragen sie nicht Flügel, diese Männer, die sich heute hinauf in Höhen schwangen, in die Adler ihnen nicht folgen können ... die Welt lag zu ihren Füßen!»

Henri Desgrange regierte die Tour bis 1936, solange es sein Gesundheitszustand zuließ. Er starb 1940. Heute erinnert ein Denkmal an den Vater der Tour de France, nah dem Gipfel seines liebsten Berges, dem Col du Galibier.

 

Aus: Giles Belbin: Ein Jahr im Sattel. 365 Geschichten aus der Welt des Radsports. 337 Seiten, Verlag Freies Geistesleben, 25 Euro, ISBN 978-3-7725-2821-7