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„Einsamkeit, kleine Straßen, imposante Landschaft“

Matthias Rotter ist viele der schönsten Pässe Europas mit dem Rad gefahren. Im Interview mit dem Cyclin‘ Blog beschreibt der Reisejournalist, welche Auffahrten besonders schwer waren, welche Pässe seine liebsten sind – und was die Schönheit einer Bergfahrt ausmacht.   


Matthias Rotter:
50 Alpenpässe für Rennradfahrer,
144 Seiten, 3. Auflage 2017, Delius Klasing,
24,90 Euro, ISBN 978-3-667-11169-2
 
Welcher ist der schwerste Pass, den Sie gefahren sind? Und was macht die Schwierigkeit dabei aus?
Es gibt keinen bestimmten Pass, den ich als schwersten bezeichnen würde. Denn es kommt zu einem großen Teil auf die „Umstände“ am Tag der Befahrung an, also beispielsweise auf die Tagesform und das Wetter (Hitze, Regen, Kälte) etc.. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass ich breite Straßen und lange Geraden nicht sonderlich mag – und wenn die Steigung über längere Passagen oberhalb von etwa 12 Prozent liegt. Als „schwer“ in Erinnerung habe ich z. B. das Stilfserjoch (wegen Steilheit, Höhe und Länge der Auffahrt) und den Passo del Mortirolo von Norden (Steilheit). In Bezug auf die reine Steilheit gibt es noch viele weitere Kandidaten. Eine besonders schmerzhafte Erfahrung durfte ich diesen Sommer in den USA machen, am Pikes Peak in Colorado, wo die Straße auf über 4300 Metern Höhe endet. Die dünne Luft rückt eine solche Fahrt in einen fast schon extremen Bereich.
 
Haben Sie Lieblingspässe?
Meine Lieblingspässe sind: 1. Colle dei Morti (südliches Piemont) 2. Col de la Cayolle (französische Seealpen) 3. (Fast) alle Straßen in der Alpenregion Vercors (südwestlich von Grenoble). Alle Beispiele gefallen mir wegen der Einsamkeit, der kleinen Straßen und der imposanten Landschaft.
 
Was macht für Sie die Schönheit einer Bergfahrt aus?
In erster Linie das landschaftliche Erlebnis, gefolgt von der Einsamkeit (wie wenig motorisierter Verkehr ist auf der Straße unterwegs?). Ebenfalls wichtig für mich: Die sportliche Form muss – einigermaßen – stimmen. Denn richtig genießen kann ich eine Passfahrt nur, wenn ich mich nicht quälen muss. Zumindest nicht ständig.
 
Haben Sie einen weiteren Tipp, um bei aller Anstrengung die Schönheiten der Landschaft nicht zu verpassen?
Ich halte unterwegs auch mal an, um eine bestimmte Szenerie auf mich wirken zu lassen. Aber das ist nicht jedermanns Sache. Denn man muss danach wieder seinen Rythmus finden.
 
Gibt es bei Ihren Bergfahrten Rituale?
Kurz und schmerzlos: Nein.
 
Welche Berge stehen noch auf Ihrer Agenda?
Keine bestimmten. Ich lasse mich dorthin treiben, wo mich mein Job als Reisejournalist hinführt. Doch halt! Eine Sache fällt mir ein: Im Verlauf meiner letztjährigen Reise in die Pyrenäen habe ich die traumhaft schöne Region Katalonien für mich entdeckt – die katalonischen Straßenpässe finden sich, zusammen mit allen Pyrenäen-Klassiker-Pässen, in meinem neuen Buch „Die schönsten Pyrenäenpässe für Rennradfahrer“, das im Frühjahr 2018 beim Delius Klasing Verlag erscheint. Es gibt in Katalonien ein faszinierendes Teilgebirge, die Sierra del Cadí, die ich gerne einmal mit dem Mountainbike umrunden würde.
 

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