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Beste Berge: Stelvio

Der Berg gehört sicherlich zu den fünf Traumpässen von Rennradfahrern weltweit. Doch den Stelvio hinaufzufahren, ist eine Tortur – wenn auch eine wunderschöne. Erfahrungsbericht aus dem Juni 2017.

 

Das Stilfser Joch ist der zweithöchste Pass der Alpen, mit 2758 Metern nur wenige Meter niedriger als der Col de l‘Iseran. 48 Kurven gilt es zu absolvieren, wenn man die klassische Route von Prato aus nimmt, bei einer Steigung von im Schnitt 8 bis 10% (und maximal 15%). Doch es ist nicht die Steigung, es ist nicht die Länge von über 20 km, die den Stelvio so hart machen. Neben dem Wetter, das im Frühjahr schon so einige Male dazu geführt hat, dass die Fahrer des Giro d‘Italia bei frühsommerlichen Temperaturen im Tal starteten und oben im Schnee ankamen, ist es die Höhe, die den Befahrern zusetzt. Jenseits der 2400 Höhenmeter wird die Luft spürbar dünner, der Körper muss wesentlich mehr Energie aufbringen, um zur Spitze zu gelangen.

 

Doch, was den Rennradler beim Stelvio, wie bei so vielen Alpenpässen, für die Strapazen entschädigt, ist die vielfältige Natur, üppiges Grün unterhalb der Baumgrenze, kahl – fast schon wie der Ventoux – oberhalb.

Die Straße ist an den meisten Stellen breit genug, um Auto- und Motorradfahrer sowie Radler aneinander vorbei zu schleusen. Ab und zu eine Pause zum Dehnen der Beine ist ratsam, um möglichen Krämpfen vorzubeugen.

 

Oben am Pass angekommen, herrscht eine verkehrte Welt: keine Spur mehr von der Einsamkeit am Berg, touristische Fülle ist angesagt, Andenkenshop reiht sch an Andenkenshop – Stelvio-Trikots und -Mützen gibt es in zahlreichen Ausführungen.